Schiewer/Gessler verteidigen EM-Titel der Steher

Franz Schiewer und Schrittmacher Gerd Gessler haben ihren Europameistertitel bei den Stehern verteidigt. Bei den Titelkämpfen in Erfurt verwiesen die Lokalmatadoren Reinier Honig/Jos Pronk aus den Niederlanden auf den zweiten Rang, Dritte wurden etwas überraschend ihre Nationalmannschaftskollegen Daniel Harnisch/Peter Bäuerlein. Im Derny holten zudem Achim Burkart und sein Schrittmacher Christian Ertel ebenfalls Bronze. Derweil feierten dort die Niederländer einen Doppelsieg. Es gewannen Nick van der Lijke/René Kos vor Maikel Zijlaard/Ron Zijlaard.

180908_emfinal_hd

Franz Schiewer und Schrittmacher Gerd Gessler haben ihren Europameistertitel bei den Stehern verteidigt. Bei den Titelkämpfen in Erfurt verwiesen die Lokalmatadoren Reinier Honig/Jos Pronk aus den Niederlanden auf den zweiten Rang, Dritte wurden etwas überraschend ihre Nationalmannschaftskollegen Daniel Harnisch/Peter Bäuerlein. Im Derny holten zudem Achim Burkart und sein Schrittmacher Christian Ertel ebenfalls Bronze. Derweil feierten dort die Niederländer einen Doppelsieg. Es gewannen Nick van der Lijke/René Kos vor Maikel Zijlaard/Ron Zijlaard.

VORLÄUFE

Am Vortag stand sowohl für die Steher- als auch die Derny-Spezialisten die Vorrunde auf dem Programm. Schiewer/Gessler und Stefan Schäfer/André Dippel zeigten im ersten Steher-Vorlauf eine souveräne Leistung. Sie setzten sich direkt an die Spitze und ließen sich von dort nicht mehr verdrängen. Auch die Angriffe der dahinter fahrenden Niederländer konnten sie immer wieder abwehren. Und da sich die beiden niederländischen Gespanne schließlich noch gegenseitig bekämpften, kam schließlich nur eines von ihnen weiter: Jeroen Kaldenbach/Patrick Bestemann (Niederlande).

Für eine international kleine Überraschung sorgten Daniel Harnisch/Peter Bäuerlein im zweiten Vorlauf, in dem sie sich zunächst direkt auf Platz eins setzten und den deutlich nach Hause fuhren. Denn Harnisch war erstmals bei einer EM dabei. Derweil lief es für Robert Retschke/Holger Ehnert nicht wie erhofft. In einen Dreikampf verwickelt, kam Retschke bereits im ersten Drittel des Rennens von der Rolle, Ehnert reagierte nicht sofort und damit fielen sie weit zurück. Hinter Harnisch/Bäuerlein kamen Emilien Clère/François Toscano (Frankreich), Reinier Honig/Jos Pronk (Niederlande) sowie Davide Vigano/Christian Dagnoni (Italien) als zeitschnellster Vierter ins Finale der besten Sieben.

Im ersten Derny-Vorlauf über 15 Kilometer waren Burkart/Ertel am Start. Schnell hatten sich fünf Fahrer herauskristallisiert, die um den Finaleinzug fuhren. Zunächst hatten die Italiener Davide Plebani/Cordiano Dagnoni an der Spitze des Rennens gelegen. Doch durch das hohe Tempo bekam Plebani im letzten Renndrittel Probleme und fiel zurück. Im selben Zug übernahmen Burkart/Ertel, die zuvor schon immer wieder angegriffen hatten, die Spitzenposition und fuhren das Rennen souverän zu Ende. Neben ihnen kamen Nick van der Lijke/René Kos (Niederlande), Davide Vigano/Christian Dagnoni sowie Matt Gittings/Matthias Acker (Großbritannien) weiter. Damit stand der Italiener sowohl im Derny- als auch im Steher-Finale.

Die zwei weiteren deutschen Gespanne, Jasper Frahm/Peter Bäuerlein und Moritz Kaase/Gerd Gessler, starteten im zweiten Vorlauf. Doch beide hatten schlechte Startpositionen gezogen, Frahm/Bäuerlein gar die letzte, und kamen aufgrund des ebenfalls hohen Tempos in dem Lauf nicht nach vorne. Beide schieden aus. Weiter kamen Maikel Zijlaard/Ron Zijlaard (Niederlande), Jan-André Freuler/Robert Buchmann (Schweiz), Riccardo Minali/Cordiano Dagnoni (Italien) und Denis Rugovac/Ralph Schumacher (Tschechien).

STEHER: SCHIEWER/GESSLER HABEN ALLES IM GRIFF

Reinier Honig/Jos Pronk waren von Startposition eins ins einstündige Finale gegangen und Franz Schiewer/Gerd Gessler kamen zunächst nicht an Jeroen Kaldenbach/Patrick Besteman vorbei. Dann versuchten es Daniel Harnisch/Peter Bäuerlein erfolgreich und konnten sich auf Platz zwei setzen. Kurze Zeit später folgten Schiewer/Gessler auf Rang drei, nachdem sie sich doch gegen Kaldenbach/Besteman durchsetzen konnten, und das dritte deutsche Gespann im Finale, Stefan Schäfer/André Dippel lagen schließlich auf Platz vier.

Doch danach bekam Harnisch bei der Überrundung von Kaldenbach Probleme und Schiewer/Gessler sowie Schäfer/Dippel zogen an ihm vorbei. Schäfer übernahm zwischenzeitlich auch die zweite Position von Schiewer/Gessler. Aber dann musste auch er Kaldenbach überrunden und verlor den Anschluss an die Rolle seines Schrittmachers und nach 24 gefahrenen Minuten lagen hinter Honig Schiewer/Gessler und Harnisch/Bäuerlein auf Platz zwei und drei.

Nach einer halben Stunde erlitt Schäfer Hinterraddefekt und musste das Rad wechseln. Drei Minuten später ereilte Harnisch ein Vorderraddefekt. Aufgrund der Rundenvergütungen kam es dadurch aber durch keine Veränderungen beim Stand des Rennens.

Immer wieder konnten sie Franz Schiewer und Gerd Gessler an die führenden Niederländer heranarbeiten, aber das Gespann war wachsam und erhöhte immer rechtzeitig das Tempo, um einem Kampf mit den Deutschen aus dem Weg zu gehen. Aber beim Überrunden von Harnisch/Bäuerlein nach rund 40 Minuten konnte Honig seinem Schrittmacher nicht mehr folgen und kurze Zeit später zogen Schiewer/Gessler vorbei und übernahmen die Führung im Rennen.

"Als Honig vor uns stand, wusste ich, jetzt muss ich vorbei. Mein Trainer und Schrittmacher wollten eigentlich, dass wir schon früher angreifen, aber ich wollte mir noch etwas Zeit lassen. Honig ist ein starker Rennfahrer und ich wollte nichts riskieren", erklärte Schiewer, der Platz eins schließlich souverän ins Ziel brachte. Honig/Pronk konnten ebenfalls ihre zweite Position verteidigen und Harnisch/Bäuerlein kamen als Dritte ins Ziel, Schäfer/Dippel wurden schließlich Vierte. "Viel besser waren wir nicht, aber wir hatten ein Gespann mehr auf der Bahn, was Honig das Rennen schwerer gemacht hat. Die anderen beiden hatten aber Pech mit ihren Defekten und zwischenzeitlich hatte ich mal etwas Panik, dass es eng für mich wird", so Schiewer.

"Tausende Leute, die für Dich schreien, geben nochmal extra Motivation. In Berlin war es schon eine Art Heimspiel, aber hier in Erfurt hatte es sich fast so angefühlt, dass alle nur für Dich da sind", lobte Franz Schiewer das Publikum auf der Radrennbahn Andreasried.

DERNY: NIEDERLÄNDER BESTIMMEN DAS RENNEN - BURKART DRITTER

Nach dem Start setzte sich das Schweizer Gespann Jan-André Freuler/Robert Buchmann an die Spitze des Rennens und bestimmte das Tempo eines fünfköpfigen Feldes mit den zwei niederländischen Teams, den Italienern Davide Vigano/Christian Dagnoni sowie Burkart/Ertel. Das war aber schließlich so hoch, das Freuler nicht mehr folgen konnte und zurückfiel. Damit übernahmen Nick van der Lijke/René Kos die Spitze und ließen sich von dort nicht mehr verdrängen. Hinter ihnen lagen Maikel Zijlaard/Ron Zijlaard, Vigano/Dagnoni und Burkart/Ertel. Doch auch Vigano bekam Probleme und damit war die Vorentscheidung um die Medaillen gefallen.

Im weiteren Verlauf waren Burkart/Ertel immer wieder in schweren Zwei- und Dreikämpfen verwickelt, so dass er keine Chance mehr hatte, um Platz zwei zu fahren, war aber schließlich auch mit dem dritten Rang zufrieden: "Es war ein schneller Start und die Niederländer haben das Tempo hochgehalten. Wir hatten dann eine Lücke, die wir leider nicht mehr schließen konnten. Wir haben uns aber nicht schlecht verkauft und die Niederländer waren heute einfach stärker", so Burkart.

In den Kleinen Finals zeigten die deutschen Nationalfahrer, dass sie eigentlich ins Große Finale gehört hätten. Zunächst gewann Jasper Frahm überlegen mit Schrittmacher Peter Bäuerlein im Derny und wurde damit EM-Neunter, Moritz Kaase/Gerd Gessler wurde 14. Kurze Zeit später zogen Robert Retschke/Holger Ehnert nach und sicherten sich genauso deutlich den achten Platz bei den Stehern.

BILDERGALERIE

Fotos: Karina Heßland-Wissel