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Sensation bei der Deutschen Steher Meisterschaft in Erfurt

Mit einer faustdicken Überraschung endete am Sonnabend die Deutsche Steher Meisterschaft 2010. Vor 2000 begeisterten Zuschauern im Erfurter Andreasried sicherte sich der Forster Marcel Möbus hinter Schrittmacher Helmut Baur im Großen Finale über eine Stunde den Meistertitel vor Titelverteidiger Mario Vonhof aus Nürnberg mit Dieter Durst und dem zweifachen Europameister Timo Scholz aus Leipzig mit Karsten Podlesch.

Als die Schlussglocke ertönte, lagen allein diese drei Gespanne rundengleich an der Spitze. Mit einer Runde Rückstand wurde Vorjahresvize Jan Eric Schwarzer vom RV Teutoburg Brackwede mit Christian Dippel Vierter vor dem tapferen Berliner Florian Fernow, der mit Schrittmacher Peter Bäuerlein 53 Minuten lang das Finale dominiert hatte, am Ende aber seinem hohen Führungstempo Tribut zollen musste.

Weniger erfreulich endete das Finale aus Sicht der Gastgeber. Der 22-jährige Lokalmatador Philipp Klein vom Thüringer Energie Team kam hinter Gerd Gessler von Beginn nie richtig in Tritt und musste sich nach qualvollen 246 Runden mit neun Runden Rückstand auf Möbus mit Rang sieben begnügen.

In dem von vielen dramatischen Duellen geprägten Endlauf, in dem die BDR-Jury bei einigen Attacken außerhalb der Fahrlinie mehr als einmal die Augen zudrückte, hatte Möbus mit seiner couragierten Fahrweise und dem taktischen Gespür von Schrittmacher Baur am Ende verdient die Nase vorn, aber auch das Glück des Tüchtigen auf seiner Seite, dass sein riskanter Kurvenangriff - in vierter (!) Reihe übereinander - nicht geahndet wurde. Für den 36-jährigen Fliesenleger aus Forst, der von der Cottbusser Sprinterlegende Lutz Heßlich betreut wurde, war es der größte Triumph seiner Laufbahn. Überglücklich fiel er nach dem Ausrollen seiner weinenden Lebensgefährtin Nadia und Schwiegerpapa Heßlich, dem ebenfalls die Tränen in den Augen standen, in die Arme.

Zum Weinen, wenn auch nicht vor Glück, war auch Timo Scholz und Florian Fernow zumute. Der 38-jährige Leipziger beklagte sich über die Fahrweise einiger Rivalen, die ihm trotz aussichtslosen Rückstands unnötige Zweikämpfe aufdrängten. Und der 29-jährige Werbetechniker von den Zehlendorfer Eichhörnchen, der bis zur 52. Minute ein überragendes Rennen an der Spitze fuhr, war sauer, dass ihm kurz vor Schluss die Puste ausgegangen war. Trotzdem hat der junge Mann, der wie Möbus nur nach Feierabend trainieren kann, die Erfurter Zuschauer mit seiner offensiven Fahrweise begeistert.

Leider konnte man das von Philipp Klein an diesem Tage nicht sagen. Der 22-jährige Erfurter Lokalmatador kam überhaupt nicht ins Rollen und hatte bereits nach den ersten 20 Minuten nichts mehr mit dem Ausgang des Rennens tun. "Er ist eben noch jung und muss sicher noch viel Lehrgeld zahlen", meinte hinterher Teamchef Jörg Werner; sicher auch mit Blick auf den unnötigen Kraftaufwand, zu dem ihn Schrittmacher Gessler am Vortag getrieben hatte. Mit Blick auf das Durchschnittsalter der drei Medaillengewinner, das bei 36 Jahren lag, sollte sich der sympathische Erfurter nicht von seinem Weg abbringen lassen, der alten Steherhochburg Erfurt und ihrem Publikum in den kommenden Jahren wieder einen Lokalmatador von Klasse zu bescheren. Das Zeug dazu hat er.

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