Deutsche Steher Meisterschaft

100717_plakatdmZwei Jahre nach ihrer Wiedereröffnung im neuen Gewand und ein Jahr nach den Titelkämpfen im Bahnradsport wird die dienstälteste Radrennbahn der Welt erneut Schauplatz einer Deutschen Meisterschaft. Am 16. und 17. Juli werden auf dem neuen überdachten 250-m-Zementoval die deutschen Titelkämpfe 2010 im Dauerfahren ausgetragen.

Während am Freitag ab 18:00 Uhr nonstop insgesamt drei Vorläufe über je 30 km rollen, wird der Finaltag am Samstag vom Rundenglöckner punkt 15:00 Uhr eingeläutet. Dem Kleinen Finale über 30 km folgt schließlich der große Meisterschaftslauf über eine Stunde.

Unter den 23 Gespannen aus acht Bundesländern sind mit dem zweifachen Europameister Timo Scholz (38) aus Leipzig und seinem Schrittmacher Karsten Podlesch sowie dem Nürnberger Titelverteidiger Mario Vonhof (35) hinter Dieter Durst sicher die eindeutigen Favoriten gegeben.

Spannend bleibt die Frage, ob sich die erfolgreichen Routiniers einmal mehr des Ansturms der Jüngeren erwehren können. Dazu zählt mit seinen 34 Jahren der für den PSV 1893 Forst/L. startende Marcel Möbus, der im Vorjahr Vierter wurde und hinter Schrittmacher Helmut Baur in diesem Jahr bereits viele große Rennen fuhr.

Gespannt darf man auch auf Erfurts jüngsten Lokalmatador Philipp Klein sein. Der 22-jährige Rennfahrer vom Thüringer Energie Team hat sein erstes "Lehrjahr" als Steher gut verarbeitet, sich unter Jörg Werners Leitung bei harten Rundfahrten gründlich vorbereitet und sich mit seinem Schrittmacher Gerd Gessler auf viele Temporunden im Andreasried eingeschworen.

Jüngster Starter ist mit 19 Lenzen Christoph Schübbe vom RC Sturm Hombruch. Vom Alter her könnte der Rheinländer durchaus der Sohn des ältesten Stehers dieser Titelkämpfe sein: Der Leipziger Thomas Heeger übertrifft mit seinen 49 Jahren den Berliner Thorsten Riedel von den Zehlendorfer Eichhörnchen noch um drei Jahre.

Das erste Steherrennen im Andreasried fand übrigens vor 111 Jahren – am 21. Mai 1899 - auf einer 500-Meter-Piste statt, war 10 km lang und wurde von dem Franzosen Borquillon gewonnen. 1944 holte sich die Steherlegende Walter Lohmann auf dem 1925 errichteten 454-Meter-Zementoval den Meistertitel im 100-km-Finale (!) der Berufsdauerfahrer.

Auf der alten "Zementschleuder" im Erfurter Norden wurden vier weitere nationale Stehermeisterschaften ausgetragen. 1949 und 1951 sicherte sich der gefeierte Lokalmatador Rudi Keil aus Friedrichsdorf vor einer Kulisse von 10000 Zuschauern die ersten Titel der Ostzone und der DDR.

1963 wurde hier mit Georg Stoltze, ein Amateurweltmeister aus der berühmten Erfurter Stoltze-Dynastie, auch als DDR-Titelgewinner gefeiert. 1970 schmückte sich der Berliner Wolfgang Schmelzer mit dem Meisterkranz aus der Blumenstadt. Die Erfurter Willy Czudek und Siegfried Müller belegten die Ränge 4 und 5. Unvergessen sind auch die großen Erfurter Steher Bruno Zieger und Karl Kaminski, die in den 60-er und 70-er Jahren neun Mal bzw. sieben Mal zu DDR-Meisterehren kamen.

Die Eintrittspreise sind für Titelkämpfe ausgesprochen moderat. Pro Wettkampftag kostet ein Voll-Ticket 9 Euro und ein ermäßigtes Ticket 6 Euro. Besucher an beiden Tagen sparen mit dem Erwerb eines Kombi-Tickets für 15 Euro (ermäßigt 10 Euro) immerhin drei bzw. zwei Euro.

Einen Kindergarten gibt es im Andreasried noch nicht. Dafür aber tolle Spiel- und Spaßmöglichkeiten für alle Kleinen, TOLLiKIZ – Der Indoorspielplatz ist an diesem Tag mit Hüpfburg, Verkehrsparcours und Mehrgenerationenspielen auf der Radrennbahn "Outdoor" und wird den jüngsten Radsportfans viel Spaß und Bewegung bieten.

ZEITPLAN UND STARTLISTE ALS PDF-DOWNLOAD